einfachCellitinnen_03_2025

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Neue Wege in der Depressionsbehandlung Wie die Cellitinnen-Marienborn Fachklinik in Zülpich heute hilft – und morgen noch mehr bewegen will. R und 5,3 Millionen Erwachsene in Deutschland leiden jährlich an einer behandlungsbedürf tigen Depression – Tendenz steigend. Diese

zu gehören verschiedene psychotherapeutische Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), psychodynamische Verfahren, in denen unbewusste, innere Konflikte ergründet werden, CBASP, eine Kombination mehrerer Therapiefor men, die speziell bei chronischer Depression an gewandt wird, sowie interpersonelle, also fokus siert auf zwischenmenschliche Beziehungen, und metakognitive Therapieansätze, die darauf abzie len, problematische Denkstile zu erkennen und zu verändern. Ergänzend bieten Kunst- und Musik therapie, Ergo- oder Bewegungstherapie, Moto pädie (durch Bewegung einen neuen Zugang zum Körper gewinnen; wird therapeutisch besonders auch bei Kindern angewandt) und seelsorgerische Begleitung wichtige Impulse zur emotionalen Sta bilisierung und Selbstfindung. Als eine der ersten Einrichtungen in der Region hat die Klinik vor zwei Jahren die ‚repetitive trans kranielle Magnetstimulation (rTMS)' (gezielte Mag netimpulse auf bestimmte Hirnareale) eingeführt – ein innovatives Verfahren, bei dem bestimmte Hirnareale mithilfe von Magnetfeldern stimuliert werden, um depressive Symptome zu lindern. Die Anwendung ist gut verträglich, und zeigt gerade bei therapieresistenten Patienten vielverspre chende Effekte. Doch was geschieht, wenn all diese Möglichkeiten nicht ausreichen? Rund ein Drittel der Patienten spricht nicht ausreichend auf konventionelle An tidepressiva an. Hier rückt eine bislang kontrovers diskutierte, aber zunehmend erforschte Sub stanz ins Zentrum: Psilocybin, der psychoaktive Wirkstoff aus sogenannten ‚Magic Mushrooms‘ (Pilzart, deren Sustanz Psilocybin Halluzinationen hervorruft). Psychedelische Substanzen im Fokus der Forschung

psychische Erkrankung zählt nicht nur zu den häu figsten, sondern auch zu den am schwersten zu be handelnden Volkskrankheiten. Im Jahr 2023 erreich te die Zahl der stationären Behandlungen mit über 261.000 Fällen einen neuen Höchststand. Gerade für Patienten mit einer mittleren bis schweren depres siven Episode ist die richtige Kombination aus medi kamentöser und psychotherapeutischer Unterstüt zung essenziell. Doch was passiert, wenn klassische Therapien nicht ausreichen? Die Cellitinnen-Marien born Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Zülpich setzt auf einen integrativen Behandlungs ansatz – und blickt zugleich mutig in die Zukunft. In der Fachklinik in Zülpich steht der Mensch mit seiner gesamten Lebensrealität im Mittelpunkt. Die Depressionsbehandlung beginnt hier mit einer prä zisen Diagnostik und einer individuell angepassten, sinnvollen Medikamententherapie. Die eingesetzten Arzneimittel werden nicht nur anhand der Sympto matik ausgewählt, sondern es wird auch darauf ge achtet, wie die Patienten sie im Körper verarbeiten können. Bei ausbleibendem Therapieerfolg erfolgt eine sorg fältige Überprüfung der bisherigen Medikation, er gänzt durch Strategien wie die Kombination mit einem weiteren Antidepressivum, mit Lithium oder Antipsychotika – stets unter streng evidenzbasierter (aktuelle wissenschaftliche Studien, ärztliche Erfah rung und Wünsche des Patienten) Abwägung und individueller Risiko-Nutzen-Betrachtung. Heute: Bewährte Therapiekombinationen mit ganzheitlichem Blick

Psilocybin beeinflusst das Serotoninsystem (im Körper verantwortlich für Stimmungen, Schlaf, Appetit, Schmerzen und Verhalten) und fördert die Vernetzung verschiedener Gehirnareale – ins besondere solcher, die bei depressiven Menschen oft isoliert arbeiten. Sinneseindrücke und Gefüh le werden intensiver wahrgenommen. Die Folge: neue Einsichten, emotionale Durchbrüche, stär kere Selbstwahrnehmung – vor allem dann, wenn die Anwendung professionell psychotherapeutisch begleitet wird. „Psilocybin wirkt wie ein Türöffner zu blockierten seelischen Räumen“, erklärt ein lei tender Psychiater der Klinik. „Das ist besonders wertvoll bei Menschen, die durch klassische Ansät ze nicht mehr erreicht werden.“ Noch ist Psilocybin in Deutschland nicht zugelas sen und unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz. Dennoch wurde dem Medikament in den USA be reits 2019 der Status einer ‚Breakthrough Therapy‘ (eine voraussichtlich bahnbrechende Therapie) ver liehen – ein Signal für das enorme therapeutische Potenzial. Die Cellitinnen-Marienborn Fachklinik verfolgt diese Entwicklungen mit großem Interes se. „Wir sind bereit, neue wissenschaftlich fundierte Wege mitzugehen, wenn sie sicher und nachhaltig in die Versorgung integriert werden können“, so die Klinikleitung.

man sich sicher: Nur durch das Zusammen spiel aus bewährten und neuen Verfahren kann eine wirklich patientenzentrierte, evi denzbasierte Versorgung gelingen. Die Klinik plant, ihr bestehendes Angebot konsequent weiterzuentwickeln. Dazu gehö ren unter anderem der Ausbau von psycho therapeutischen Gruppenangeboten, die Ein bindung digital unterstützter Therapien sowie die kontinuierliche Fortbildung des Fachper sonals. Sollte Psilocybin – nach Abschluss weiterführender Studien – zugelassen wer den, ist die Klinik vorbereitet, diesen Baustein in ihr Gesamtkonzept zu integrieren. Die Cellitinnen-Marienborn Fachklinik in Zül pich steht für moderne und verantwortungs volle Psychiatrie, die sich an den individuellen Bedürfnissen der Patienten orientiert. Mit einem ganzheitlichen Therapieansatz, wis senschaftlicher Neugier und therapeutischer Innovationskraft stehen die Fachärzte Fort schritten in der Depressionsbehandlung auf geschlossen gegenüber. In einer Zeit, in der die Zahl schwer depressi ver Menschen steigt und viele von ihnen mit herkömmlichen Mitteln nicht ausreichend erreicht werden, ist dieser Weg notwendig. (A.H.) Aufbruch in eine neue Ära der Depressionsbehandlung

Vision: Mehr Hoffnung durch Vielfalt in der Therapie

Doch Medikation allein genügt nicht. In Zülpich wird ein ganzheitlicher Behandlungsansatz verfolgt. Hier

Die Zukunft der Depressionsbehandlung wird viel fältiger, individueller – und mutiger. In Zülpich ist

Foto: Getty Images

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