einfachCellitinnen_1_26_digital

einfach

einfach wichtig

wichtig

Wenn der Patient verstorben ist, soll ausreichend Zeit für die ihm Nahestehenden bleiben, um Abschied zu nehmen. «

«

ren Wünschen und Bedürfnissen - und ihrem in dividuellen Sterbeprozess. Dem gerecht zu wer den, ist im Krankenhausalltag nicht leicht. Um die Pflegenden und den ärztlichen Dienst dabei zu unterstützen, gibt es in jedem Haus entspre chende Handlungsempfehlungen. Denn nach dem Selbstverständnis als christlicher Träger soll in den Krankenhäusern der Stiftung am Lebens ende eben nicht die Apparatemedizin stehen. Und Schmerzen und Ängste sollen, soweit es irgend möglich ist, genommen oder mindestens gemildert werden. Ziel ist es, für den Sterben den und den ihm Nahestehenden, ein Umfeld zu schaffen, das die größtmögliche Würde und Selbstbestimmung gewährleistet. Dazu gehört die Verlegung des Sterbenden in ein Einzelzimmer oder die Verlegung möglicher Mitpatienten. Ist dies nicht möglich, wird ein Sichtschutz aufgestellt, um ein Minimum an In timsphäre zu gewährleisten. Medizinische und pflegerische Gerätschaften, die nicht benötigt werden, werden weggeräumt und bis zum mög lichen Eintreffen von Angehörigen und Freun den sollte der Patient nicht allein gelassen wer den. Und auch wenn der Sterbende nicht allein ist, sollte immer eine Pflegekraft oder ein Arzt ansprechbar und in der Nähe sein, um den An gehörigen mögliche Unsicherheiten und Ängste nehmen zu können und um nötigenfalls pflege risch oder medizinisch einzugreifen, wenn es zu Komplikationen kommen sollte. Auf Wunsch des Sterbenden oder auch der Angehörigen wird die Seelsorge verständigt. Bei nicht-christlichen Patienten und Angehörigen helfen die Seelsor ger, einen Kontakt zum Imam, Rabbi oder Ver tretern einer anderen Glaubensgemeinschaft herzustellen. Raum für den Abschied geben Wenn der Patient verstorben ist, soll ausrei chend Zeit für die ihm Nahestehenden bleiben,

um Abschied zu nehmen. Idealerweise passiert auch das im Patientenzimmer. Wenn dies nicht möglich ist, wird der Verstorbene in den Ab schiedsraum des Krankenhauses gebracht. Die Seelsorge begleitet die Hinterbliebenen, wenn diese es wünschen, und unterstützt sie, bis das Bestattungsunternehmen den Verstorbenen abholt. Natürlich verlaufen nicht alle Sterbeprozesse nach diesem idealtypischen Muster. Angehörige werden mitunter nicht rechtzeitig erreicht oder der Patient ist alleinstehend. Oder er verstirbt unbemerkt von Pflege und Ärzten während der Nacht. Patienten versterben mitunter nach ei nem Unfall noch in der Notaufnahme oder auch während einer schweren Operation. Auch das ist Alltag in einem Krankenhaus. Ziel aller medi zinischen und pflegerischen Maßnahmen ist es aber, dem Sterbenden am Ende seines Lebens die größtmögliche Unterstützung und Beglei tung zu bieten, so dass er friedvoll in Würde und möglichst ohne Angst und ohne Schmerzen ge hen kann. (S.B.)

Die Würde des Menschen ist unantastbar Wie Krankenhäuser Sterbende und ihre Angehörigen bis zum Schluss begleiten. L aut einer Studie des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands e.V. (DHPV), wünschen sich 50 Prozent der Befragten, zu Hause zu zin‘ ausgeliefert zu sein, mit 32 Prozent auf Platz eins; gemeinsam mit der Angst vor Schmerzen.

In den Jahren 2024 und 2025 verstarben in den Krankenhäusern der Hospitalvereinigung der Cellitinnen pro Jahr im Schnitt rund 3.300 Patienten. Rund 30 Prozent von ihnen auf einer Intensiv- oder einer sogenannten Intermediate Care Station (IMC), einer Vorstufe der Inten sivversorgung. Oder auf der Stroke Unit, der Station, auf der akute Schlaganfälle behandelt werden. Die verbleibenden 70 Prozent – also der überwiegende Teil der Patienten – verstirbt auf einer der sogenannten ‚Normalstationen‘. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen ist mit rund 79 Jahren dabei relativ hoch.

Hinter jeder Zahl steht ein Mensch Auch in den zehn Krankenhäusern der Hospi talvereinigung der Cellitinnen versterben täg lich Menschen. In ‚nüchterner‘ Statistik ausge drückt waren es in den Jahren 2024 und 2025 im Schnitt täglich neun Patienten (vgl. Infokasten). Hinter dieser Zahl verbergen sich Menschen mit ihrer Geschichte, ihrem persönlichen Umfeld, ih

sterben. Lediglich drei Prozent könnten es sich auch im Krankenhaus oder in einem Pflegeheim vorstellen. Dem gegenüber stehen die realen Er fahrungen der Befragten, nach denen über 50 Prozent angeben, dass ein ihnen nahestehender Mensch im Krankenhaus verstorben sei. Und unter den größten Ängsten, die mit dem Sterben assoziiert werden, liegt die, einer ‚Apparatemedi

Foto: Adobe Stock

16

17

einfach Cellitinnen 01 | 26

01 | 26 einfach Cellitinnen

Made with FlippingBook - professional solution for displaying marketing and sales documents online