Cellitinnen 2_2018

Medizin | Betreuung

Nachsorge bei Adipositas Operation ganz ohne Schnitte

Die Schlüsselloch-Chirurgie am Verdauungskanal entwickelt sich weiter und wird für Patienten im- mer schonender. Das St. Fran- ziskus-Hospital in Köln bietet ein OP-Verfahren ganz ohne Schnitte an. Dabei arbeiten die Klinik für Adipositas-, Metabolische und Plastische Chirurgie und die Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie eng zusammen. Ein adipositaschirurgischer Eingriff verändert das Leben der Patienten die Patienten fühlen sich nach der Operation und der damit einhergehenden Lebensumstellung wesentlich besser und aktiver als vor- her. In seltenen Fällen kann es aber auch zu einer speziellen Komplikation, dem ‚Dumping-Syndrom‘, kommen. Chefarzt Dr. Karl-Peter Rheinwalt erklärt: „Nach einer Adipositas-OP kann es manchmal auch nach meh- reren Jahren passieren, dass Pa- tienten nach der Nahrungsaufnah- me Kreislaufprobleme bekommen, müde werden und unterzuckert sind. Manchmal ist sogar eine er- neute Gewichtszunahme möglich.“ von Grund auf. Eine große Gewichtsab- nahme, mehr Be- weglichkeit, mehr Antriebskraft –

Dies geschehe, so der Mediziner, weil sich die Kurzschlussverbin- dung zwischen dem verkleinerten Magen und dem angeschlossenen Dünndarm aufweitet. „Bisher war es so, dass die Naht durch einen erneuten operativen Eingriff durch die Bauchdecke eingeengt werden musste. Dies kann nun oft noch viel schonender erfolgen“, erläutert Dr. Rheinwalt. Denn: Die gewünschte

frequenzstrom, der über ionisiertes Argongas geleitet wird (Argon-Plas- ma-Koagulation) ‚angefrischt‘, so dass dort neue Nähte platziert werden können. Das behandelte Gewebe verheilt in der durch die neuen Nähte fixierten Position und verengt so den Magenausgang. Diese Methode, ‚Overstitch‘ ge- nannt, wird in Deutschland bislang nur in rund zehn Krankenhäusern angewendet. „Wir sind sehr froh, dass wir ge- meinsammit dem gastroenterologi- schen Team diese Eingriffe hier

am St. Franziskus-Hospital durchführen können“, freut sich Dr. Rheinwalt, der gemeinsam mit den internistischen Oberärzten Dr. Ute Gebert und Dr. Ste- phan Hermes dieses Verfahren seit einiger Zeit erfolgreich durch- führt. „Diese Methode ist zukunftsweisend und wird sich wahrscheinlich auf-

grund der vielen denkbaren Ein- satzmöglichkeiten auch in Zukunft noch weiter verbreiten“, ist sich Dr. Rheinwalt sicher. Auch Defekte im Verdauungskanal, beispielsweise nach der Entfernung kleiner Tu- more, lassen sich auf diese Weise leicht beheben. Da keine Schnit- te an der Bauchwand notwendig sind, sind nach dem Eingriff in der Regel auch kaum Schmerzmittel erforderlich.

Einengung kann durch eine

innovative Technik mittels einer Magenspiegelung – also ohne Schnitte über den Mund und die Speiseröhre – erzielt werden. Hier- bei wird ein spezielles Nahtmaterial am Gastroskop, dem Instrument für die Magenspiegelung, befes- tigt. Die Nahtstelle, die verengt werden soll, wird mit einem Hoch-

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