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einfach wichtig
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samen Tränen möchten Pflegekräfte, Hebam men und Ärztinnen den Eltern das geben, was sie am meisten brauchen: Halt und das Gefühl, mit ihrer Trauer nicht allein zu sein. Dazu gehören auch scheinbare Kleinigkeiten, wie ehrenamtlich gestrickte Nestchen oder genähte Stoffsterne, damit die Sternenkinder würdevoll im Zimmer ihrer Eltern liegen können. Eine besondere Rolle spielt zudem die Seelsorge. Sie bietet ihren Beistand unabhängig von religiö ser Orientierung an – offen und wertschätzend für alle. Stille Geburt und Beisetzung Wenn in einem späteren Stadium der Schwan gerschaft die Lebenszeichen eines Kindes aus bleiben, bereitet das Team die Eltern behutsam auf eine stille Geburt vor und begleitet sie durch diesen schweren Weg. „Auch für uns ist das emotional sehr belastend. Doch wir blenden das aus, um ganz für die Eltern da zu sein“, sagt eine Gynäkologin. Auf Wunsch unterstützen die Kliniken auch bei der Organisation einer besonderen und kosten losen Bestattung für alle Sternenkinder. Die Seel sorge gestaltet diese Beisetzungen individuell und respektvoll mit, sodass die Eltern auch hier auf vertraute Gesichter treffen. Vermittlung in gute Hände Nach dem Krankenhausaufenthalt vermitteln die Cellitinnen-Frauenkliniken Kontakte zu erfahre nen Selbsthilfeorganisationen, psychologischer Unterstützung oder Nachsorgehebammen oder geben auf Wunsch Literaturempfehlungen. „Wir haben eine intensive Zeit mit den Eltern erlebt und möchten sie auch nach der Entlassung in guten Händen wissen“, sagt eine Pflegefachfrau. Manchmal melden sich Eltern später noch ein mal. „Ein Paar kam zwei Jahre nach der Geburt ihres Sternenkindes mit einem Blumenstrauß und ihrem wenige Tage alten Baby auf die Sta tion“, erzählt eine Pflegekraft. Ihr erstes Kind, das nie leben durfte, werden sie nie vergessen. Dass sie sich würdevoll verabschieden konnten und die schwerste Zeit nicht allein durchstehen mussten, ist auch Verdienst der Teams, die sie begleitet haben. (E.L./B.S.)
Viel zu kurz und doch für immer
Trost und Halt für Eltern von Sternenkindern
V erlieren Eltern ihr Kind, fehlen oft die Worte, um den Schmerz zu beschreiben. In den Cellitinnen-Krankenhäusern Heilig Geist und Severinsklösterchen Krankenhaus der Augustinerinnen versuchen die Teams dennoch, genau diese Worte zu finden – mit viel Empathie, Erfahrung und zahlreichen kleinen und großen Hilfen. Ihr Ziel ist es, Eltern in dieser Ausnahme situation aufzufangen, ihnen Trost und Halt zu geben und sie bestmöglich durch diese schwere Zeit zu begleiten. Fehlgeburten kommen relativ häufig vor: Etwa 20 Prozent aller Schwangerschaften enden un gewollt vorzeitig. Das Risiko sinkt im Verlauf der Schwangerschaft, die meisten Fehlgebur ten geschehen in den ersten zwölf Wochen. Doch dieser statistische Fakt ist für betroffene Eltern kaum ein Trost. „Für eine kurze Zeit wa ren sie Eltern – und dann verlieren sie ihr Kind. Dabei spielt es keine Rolle, in welcher Phase der Schwangerschaft der Verlust eintritt“, sagt eine Pflegefachfrau. Jede Frau und jedes Elternpaar
werden individuell betreut – weit über die me dizinische und pflegerische Versorgung hinaus.
ge Erinnerungsfotos zu machen. Diese können Eltern helfen, Abschied zu nehmen und bleiben de Erinnerungen zu schaffen. Die Fotos erhalten die Eltern in einer Karte, ge meinsam mit weiteren persönlichen Andenken z.B. eine Kerze, ein kleines Holzherz oder Klei dung, die das Kind getragen hat. All dies unter stützt sie dabei, den Abschied bewusst zu gestal ten und die Erinnerung an ihr Kind zu bewahren. Halt geben, wo keiner möglich scheint Erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich gesellschaftlich das Verständnis entwickelt, dass der Verlust eines Sternenkindes mehr als medizinische Versorgung erfordert. Für die Teams der Cellitinnen-Frauenkliniken ist die lie bevolle Begleitung betroffener Eltern eine Her zensaufgabe – oft über die eigenen Grenzen hinaus.
Abschied nehmen und Erinnerungen schaffen
„Wir nehmen uns die Zeit, die Eltern brauchen. Oft führen sie lange Gespräche, um gemeinsam herauszufinden, was in dieser Situation helfen kann.“, erklärt eine Hebamme. In der Regel be gleitet eine feste Ansprechpartnerin die Eltern, damit Vertrauen nicht immer wieder neu auf gebaut werden muss. Einfühlsam wird bespro chen, welche Möglichkeiten es gibt und welche Unterstützung gewünscht ist. So kann das Sternenkind im Zimmer der Eltern bleiben, damit sie – und auf Wunsch auch Ange hörige oder Freunde – in Ruhe Abschied nehmen können. Um diese Zeit zu schützen, wird das Team informiert und die Zimmertür beispiels weise mit einem kleinen weißen Schmetterling gekennzeichnet. Ein Netzwerk ehrenamtlicher Fotografinnen und Fotografen bietet an, würdi
Mit viel Einfühlungsvermögen, Zuhören, persön licher Zuwendung und manchmal auch gemein
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