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Mehr Freude am Leben – MAKS-m-Therapeuten fördern Menschen mit Demenz

Eine Reise durch ‚den Roman des Lebens‘ - Biografiearbeit

Zwiebelprinzip vorgegangen: Die äußere Schicht umfasst Fakten wie Geburtsort, Beruf, Familienstand, Wohn- und Lebensorte. Diese Informati onen sind eher leicht zugäng lich und bilden die Basis für weitere Gespräche. Identität ist aber mehr als die Summe von Daten und Fakten. Erst tie fere Schichten offenbaren per sönliche Erfahrungen, Erlebnisse und emotionale Wendepunkte oder prägende Momente. Lebenskri sen oder besondere Freuden, die das Leben maßgeblich beeinflusst haben, zei gen, wer der Mensch wirklich ist, wie er denkt, fühlt und handelt. In den tiefsten Schichten liegen die wesentlichen Werte, Überzeugungen und Iden titäten des Menschen verborgen. Wer sie erreicht, versteht neben den äußeren Lebensumständen auch den inneren Antrieb, die Weltanschauung und die verschiedenen Rollen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens eingenommen hat. In der Pflege- und Betreuungsarbeit ermöglicht die Beschäftigung mit der Lebensgeschichte ein tiefe res Verständnis für den zu betreuenden Menschen. Durch das Blättern im ‚Roman des Lebens‘ können die Mitarbeiter in den Seniorenhäusern individuell auf die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen eingehen. So werden Routinen vermieden, die dem Leben und der Lebensgeschichte der Menschen widersprechen. Stattdessen können persönliche Ressourcen gestärkt und sinnvolle Aktivitäten an geboten werden, die zur Lebensqualität beitragen. In Krisensituationen kann der Mensch dort abgeholt werden, wo er sich gerade befindet. (K.S.)

C aroline Hahn, Qualitätsbeauf tragte im Altenheim St. Josef in Schweich, wurde auf die Qua lifizierung zum MAKS-m-Therapeuten aufmerksam und überzeugte ihre Kol leginnen Ruth Ferber und Bahrije Zogaj davon, ebenfalls an diesem Kursange bot teilzunehmen. Der Lehrgang be stand aus zwei Theorieteilen mit ins gesamt 24 Unterrichtseinheiten und wurde mit einer theoretischen, schrift lichen und praktischen Prüfung abge schlossen. Die MAKS-m-Therapie ist eine mul timodale, psychosoziale Gruppen therapie für Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder leichter bis mittelschwerer Demenz. Das Schulungskonzept ist von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. zertifiziert. Umfassendes Material und fertig ausgearbeitete Tagespläne machen die Umsetzung der Therapie unkompliziert. Seit Februar 2021 wird die MAKS-m- Therapie im St. Josef durchgeführt. Das schon sehr umfangreiche Betreu ungsangebot wurde seither um zwei weitere MAKS-m-Therapieangebote erweitert. So kann es mittlerweile auf allen drei Wohnbereichen regelmäßig angeboten werden.

D ie Begleitung eines Menschen mit Demenz stellt Pflege- und Betreuungsmitarbeiter immer wieder vor Herausforderungen. Mit fortschreitender Erkrankung können Äußerungen und Verhaltensweisen für ‚Gesunde‘ rätselhaft oder gar befremdlich erscheinen. In der Welt des demenziell veränderten Menschen ergeben sie allerdings durchaus Sinn. Die Beschäftigung mit dem ‚Lebensroman‘ des Menschen bietet einen Zugang zu dieser Erfahrungswelt. In den Einrich tungen der Seniorenhaus GmbH der Cellitinnen zur hl. Maria ist diese Methode fester Bestandteil des Gesamtkonzeptes. Mäeutische Biografiearbeit bedeutet, dass Pfle ge- und Betreuungsmitarbeiter durch behutsame Fragen und Gespräche die Lebensgeschichte ei nes Bewohners erforschen. Dabei wird nach dem

Rund zehn Bewohner sind in einer MAKS-m-Gruppe. Wichtig bei dem Therapieangebot sind die Kontinuität der Teilnehmer in der Anwesenheit und der Gruppenstunden. Mittlerweile haben im Altenheim St. Josef vier Kolleginnen den Kurs absol viert und setzen das Therapiekonzept in ihren Betreuungsangeboten ein. Alle stellen immer wieder ähnliche Er fahrungswerte fest: Fakt ist, dass die se Art der Therapie den Bewohnern sehr gut tut, und auch die Therapeu ten freuen sich über die Erfolgserleb nisse der Teilnehmer. Die Methode ist wissenschaftlich anerkannt. (C.H.)

lich stabilisiert und wirkt sich im bes ten Falle symptomverzögernd aus. Bewohner mit Demenz erleben in den Gruppenstunden Erfolgserlebnisse, da noch vorhandene kognitive Fähigkei ten durch niederschwellige Angebote angeregt und reaktiviert werden. In unterschiedlichen Modulen rufen die Mitarbeiter noch vorhandene Kom petenzen hervor und fördern diese gezielt. So werden gemeinsam bei spielsweise Speisen zubereitet, Lieder gesunden, Reime aufgesagt, Rätsel gelöst, themenspezifische und jahres zeitliche Erinnerungen geweckt oder Fingerspiele und Bewegungsübungen durchgeführt.

Der Krankheitsverlauf der Demenz wird mithilfe der Therapie nachweis

Grafik: Getty Images

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